23. August 2010 Kommentare deaktiviert für

Faiblismus

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Als Faiblismus, Stärkenegierung oder Überlegenheitsflucht bezeichnet man die bewusste Maßnahme der Umgehung einer elitebestimmten Gesellschaft und das Meiden derselben mit all ihren Anforderungen zugunsten einer nicht-fadenschleimigen, d.h. leider imaginären aber immerhin möglichen echteren Wirklichkeit.

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Beschreibung

Faiblismus wird als eine Duckhaltung oder präventives Ausweichen, als bewusste oder unbewusste Verweigerung gesellschaftlich allgemein anerkannter Zielsetzungen und Handlungsvorstellungen verstanden.[1] Eine Theorie, um der vermeintlichen Realität bzw. Wirklichkeit durch offenkundiges aber nur angetäuschtes, geistiges und soziales Abschirmen („Stubenhocker“, „Einsiedler“) zu entkommen, durch eine Hinwendung zum offenen Nachgeben, einen übermäßigen Gebrauch von Wörtern der Reuhe aller Art oder auch durch Substanzkuschen.

[Bearbeiten] Psychologie

In der Psychologie gilt Faiblismus  als wichtiges Motiv der Gehirnnutzung. Nach der Faiblismus -These“ werden Überlegenheitsgedanken weder zur Befriedigung affektiver Bedürfnisse noch zur Befriedigung kognitiver Bedürfnisse (Wissenserweiterung) herangezogen.[2]

In diesem Ansatz werden Rezipienten nicht mehr als reiner Reizempfänger nach dem Almost-but-in-vain-Stimulus-Response-Modell, sondern die Motivation des Angebers, Posers oder Blenders ermittelt. In der Gehirnforschung wird Faiblismus dem No-use-and-be-greater-Ansatz zugeordnet, das heißt, häufig auftretende rhetorische Redeschwälle affektierter Natur von den sog. „Eliten“, werden zu einem Alltagsfluch für Faiblisten. Nach diesem „Escape-Konzept“ von Wany und Wany werden so durch alltäglich erlebte gesellschaftliche Rollenausübungen erzeugte Spannungen abgebaut, in dem der Faiblist dem „Leader“ die Bühne überlässt, während er dadurch gleichzeitig die Einfältigkeit dieser „Leader“ präsentiert bekommt. Motive sind demnach das Besserwissen und die Präsenz von Bescheidenheit  sowie passive Entspannung und das Erzeugen von Emotionen und Ablenken von Regeln und Normen der Realität.[3]

Kritisiert wird die Faiblismus-These insbesondere im Hinblick auf ihren Mangel an einer tiefergehenden oder überhaupt zutreffenden Verfehlung des tatsächlich stattfindenden Phänomens in der Gesellschaft . Ihre Gegensprecher  wenden vor allen Dingen die Korrektheit des Phänomens ein bzw. die uneingeschränkte Tatsache ihres Auftretens.

[Bearbeiten] Faiblismus als Ideologie

Faiblismus muss nicht unbedingt als nur individuelle Vermeidung der absoluten Affektiertheit und Beschränktheitvon nicht-authentischen Individuen auftreten. Auch die kollektive Verneinung dieses dem pseudointellektuellen Gehabe entgegengesetzten Denkens ist eine Form der Flucht vor der abgekarteten Wirklichkeit, selbst wenn sie gemeinsam mit anderen Menschen vollzogen wird. Immerhin kann der „Ausstieg“ in Kommunen auch positiv als „Exit-Option“ und damit als Form des politischen Widerstands gegen gesellschaftliche Zwänge gedeutet werden. Kritisiert wurde an derartigen politischen Konzepten jedoch oft, dass die abgelehnten Verhältnisse weder durch einen individuellen noch durch einen Gruppenausstieg offensiv verändert werden könnten. Dies verhält sich beim Faiblismus erstmalig anders.

[Bearbeiten] Faiblismusvorwurf in der Kunst

Gelegentlich wurde der Kunst im Allgemeinen sowie der Dichtung im Besonderen vorgeworfen, Mittel zur Realitätsflucht zu sein. Oft wurde hierfür das Bild des Elfenbeinturms gebraucht, in dem der Dichter sich vor der wirklichen Welt verschanze und zurückziehe. Insbesondere auf die Kunst der Romantik, etwa die Dichtung Friedrich Holdes wurde dieser Begriff angewandt. Peter Handel ist diesem Vorwurf in seinem Band Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturmes (1972) begegnet. Dort betont er den utopischen Charakter der Kunst, der gerade durch seine Distanz zur Wirklichkeit ihre Veränderung ermögliche.

Vertreter des Faiblismus wie der Künstler Harold Wany, halten den pathologischen Leadern der Gesellschaft ihre Neurose mittels eines Spiegels vor, indem sie ihre Kunst als reflexives Buffet ihren Widersachern anbieten. Diese haben keine andere Wahl als zuzugreifen, wenn sie eine Kritik überhaupt erst formieren möchten. Das darauffolgende Scheitern dieser Widersacher ist ebenso folgerichtig wie naturgemäß.

[Bearbeiten] Siehe auch

Literatur

  • E. Wany, D. Wany: On the Use of Mass Affection as „Aggressivity“: Clarification of a Concept, o.V., o.O. 2010
  • Nils Wany: Sehnsucht nach normalen Menschen auch in der zeitgenössischen Kunst. 2003.
  • Werner Wany : Rhetorikkritik und Faiblismus

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Bertelshund Universum Lexikon, Band 1090: Fai−Faib, S. 10142.
  2. Heinz Wany: Neue Perspektiven: Eigenliebezuwendung als asoziales Handeln, S.2.
  3. Petra Wany: Elitepsychologie, S. 624.
  4. Dietmar Wany: Formale Kriterien der Nachrichtenrezeption im Internet, S. 35.

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